Gesundes Finanzielles Halbwissen

Gesundes Finanzielles Halbwissen

Denken Sie nach, sonst tun es andere für Sie!

Jeden Tag findet man Müll und/oder Lügen an den Finanzmärkten. Meine persönliche Auswahl anbei:

Heute im Angebot: Weltuntergang durch Enteignung

FundstückeGeschrieben von GesundeSkepsis Fr, Oktober 20, 2017 08:31:19
OK, ich bin Volkswirt und gelernter fixed income Spezialist - aber ist es wirklich soooo schwierig, Schulden, Zinsen und Grundrechenarten korrekt zu kombinieren??? Egal, ein weiterer Superstratege erklärt uns fehlerfrei die Welt und zwar hier:

http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/stelter-strategisch-enteignung-weil-es-mit-der-inflation-nicht-klappt/20466176.html


1) "Allen Bemühungen zum Trotz verharrt die Inflationsrate auf tiefem Niveau. Nur in den Vermögensmärkten herrscht Inflation."
Ex Definition der Berechnung der Inflation gehen da keine Vermögenswerte rein, sondern nur Konsumgüter (kurz/langfristige). Vermögensmärkte haben wenn überhaupt Preissteigerungen. Und die Inflation ist aktuell bei 1,8% in Deutschland und damit eigentlich "normal" - zumindest im historischen Vergleich

http://www.tagesgeldvergleich.com/inflation-inflationsrate



Wenn wir Schulden "weginflationieren" wollen, brauchen wir aber eine nominal größere Inflationsrate als die von der EZB ausgegebene Marke "nahe an, aber unter 2%"....oder noch negativere Nominalzinsen, damit der Realzins (=Nominalzins minus Inflation, ganz schwierige Formel) stärker negativ ist und die Schulden "auffrisst". Letzteres beobachtet man seit geraumer Zeit bei den 2-jährigen Bundesschätzen: "Kupon" von 0%, Verkauf zu Preisen >100, Tilgung zu 100 -> Rein ökonomisch ein Schuldenschnitt.

2) Zum Thema "Schulden weginflationieren" und negative Realzinsen verweise ich einfach an meinen früheren Post - nicht ohne daran zu erinnern, dass negative Realzinsen auch laut Bundesbank keine Ausnahme sind, sondern durchaus häufig vorkommen.

http://halbwissen.freier-parkplatz.de/#post5

3) Um das Thema Schulden abzuschließen - der Autor übersieht leider in seiner Aufzählung der 4 Optionen von William White, dass eine mathematisch logische Lösung fehlt. Nämlich, dass nicht die Schulden absolut relevant sind, sondern der Schuldendienst.
Am Beispiel spanische Immobilienkredite, die variabel verzinst sind: Eine nicht unrealistische Verzinsung für Altbestände liegt derzeit bei ca.
0,75% p.a. (aktueller Euriborzinssatz von -0,35% + 1,1% Marge).
Immobilienkredit 1.000.000 € * 0,75% = 7.500 € pro Jahr oder schlappe 625 € pro Monat.
Kurzer Realitätscheck: Für 1 Mio. € bekommt man in München schon eine brauchbare Hütte zum Wohnen....aber nicht für 625 € Miete. Ich rechne jetzt nicht vor, wie marginal die Zinslast steigt, wenn der Kredit um 10% erhöht wird...

Aber man kann natürlich auch den Zinssatz von 0,75% noch weiter fallen lassen...so lange, bis der Kreditnehmer Geld rausbekommt...So geschehen schon vor einiger Zeit in Dänemark:

http://www.focus.de/finanzen/banken/bank-zahlt-zinsen-fuer-kredit-verkehrte-bankenwelt-kundin-macht-schulden-und-bekommt-dafuer-zinsen_id_4605350.html

Ergo: Die Verschuldung absolut ist kein sonderlich aussagekräftiges Kriterium - höchstens zu Gunsten des Schuldners. Getreu dem Motto: "Mit 50.000 Kredit gehörst Du der Bank, mit 50 Mio. Kredit gehört Dir die Bank". Deshalb hatte Griechenland im Gegensatz zum durchschnittlichen Häuslebauer auch eine Verhandlungsmacht - weil sie absolut hohe Schulden hatten. Wen interessieren sie Staatsschulden von Andorra oder San Marino?

4) Und das Schmanckerl zu Schluß: Im Artikel steht

"Das wäre die fairste Vorgehensweise, tragen doch auch die Gläubiger eine Mitschuld, wenn sie unsoliden Staaten, Banken oder Unternehmen Kredit gewähren."


Muhahahaha. Erst einmal ist das die Verhandlungsposition der Griechen und zweitens müsste man dann bitte konsequent sein und den ganzen Quatsch mit Einlagensicherung, geschützte Spareinlagen, Sicherungsverein für Lebensversicherungen und Pensionskassen etc. sofort ersatzlos streichen. Der Sparer (d.h. der Gläubiger! Derjenige, der Geld auf Zeit ausleiht, um später nominal mehr zu haben) muss schließlich wissen, wem er sein Geld gibt und ob er den Kreditnehmer ggf. in die Überschulduing treibt. UND der Kreditgeber/Sparer/Gläubiger muss berücksichtigen, wie viel Kredit das arme Kreditopfer wohl noch in Zukunft aufnimmt, damit er/sie sich ja nicht überschuldet!
Ich unterstütze diese Sichtweise voll, weil dann endlich diese Drückerkolonnen der Bausparkassen verschwinden sowie die Ratingagenturen, weil ja jeder Sparer seine eigene Bonitätsanalyse betreibt / betreiben soll / betreiben muss.

Fazit: Wieder mal ein insgesamt sehr schwacher Artikel ohne Tiefgang. Für einen Schreiberling, der Unterhehmen berät, angeblich strategisch und "beyond the obvious" denkt, ist mir das persönlich zu wenig Substanz und erinnert mich stark an diese Sichtweise im Bild unten...also mehr ein "scratching the surface" statt "beyond the obvious"....




Und ewig grüßt das Allzeithoch

FundstückeGeschrieben von GesundeSkepsis Di, Oktober 10, 2017 09:41:18
Ich bin begeistert! Endlich mal nix zu meckern!

http://www.dividendenadel.de/dax-allzeithoch-nummer-391/

391 neue Allzeithochs im DAX seit 1988....und genau dieses 391. Hoch ist es jetzt, ein für alle Mal, nie wieder höher, ab hier und sofort Apokaplypse und Verdammnis?? Ich auch nicht. Danke für diesen Beitrag, damit ich nicht jedes einzelne Hoch händisch habe abzählen müssen.

Wobei ich da ja auch nicht ganz ohne Erfinderstolz auf einen früheren Eintrag verweisen:

http://halbwissen.freier-parkplatz.de/#post4



Der Unterschied zwischen Analyse und Meinung

FundstückeGeschrieben von GesundeSkepsis Mi, Oktober 04, 2017 23:17:31
Ich denke, man darf speziell an den Kapitalmärkten jeglicher Meinung sein, sollte sie aber zutreffend begründen können. Dieser Motley Fool tut dies nach meiner Auffassung nicht. Sein Statement zur Aareal Bank finden sie hier:

https://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/aareal-bank-aktie-diese-3-trends-ziehen-der-aareal-bank-aktie-den-boden-unter-den-fuessen-weg_H1294879047_484838/?SOURCE=7001002

1) Ein "Füsse unter den Boden wegziehen" ist per Definition ein schneller Vorgang. Die drei aufgeführten Gründe sind mindestens mittelfristiger, eher langfristiger Natur. Reisserischer Titel, um Leser zu holen, aber geschenkt.

2) Es ist korrekt, dass Amazon den Einzelhandel bedroht und daher der Wert von Einzelhandelsimmobilien tendenziell unter Druck ist. Kurzer Blick auf's europäische Zinsniveau.....Sind Einzelhandelsimmobilien in den letzten 5 Jahren eher gestiegen oder eher gefallen? Amazon als einziger Erklärungsfaktor für den Wert von Sicherheiten ist armselig. Aareal Bank handelt nicht mit Immobilien, sondern beleiht diese. Sofern der Wert der Sicherheiten schwankt bzw. fällt, aber der Liquidationserlös nicht unter das ausstehende Kreditvolumen fällt, gibt es keine finanziellen Belastungen.

3) Wachstum (nominal) des Kreditbuchs bzw. der Bilanz bei einer Bank ist ein miserabler Indikator für Profitabilität und somit den Aktienkurs. Beweis: Man sehe sich die "Wachstumsstory" der AHBR (Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden) spätere Corealcredit Bank, der RBS (Royal Bank of Scotland) oder sämtlicher deutscher Landesbanken an. Die Bilanzsummen wurden teilweise massiv reduziert - um die Verluste einzudämmen. Höheres Kreditwachstum = Höhere Bilanzsumme = mehr Verlust.....Hmmmmm.....

4) Wesentlich aussagekräftiger zur Beurteilung der finanzielllen Lage einer Bank ist der Bestand an Non-performing loans (NPL), d.h. die Entwicklung der Problemkredite sowie die Entwicklung der (Zins)Marge im Neu- und Bestandsgeschäft. Kein Wort davon in dem Artikel. Ich will jetzt keine Aareal Aktie kaufen, deshalb bin ich zu faul, um im Geschäftsbericht nachzulesen, aber kurzes googeln ergibt keine Artikel, die hier aktuell Probleme aufzeigen.

5) Airbnb ALLEIN! sorgt dafür, dass Hotels und somit Hotelfinanzierer aussterben. Ist klar....aber zumindest eine unbewiesene Behauptung. Amazon ist wesentlich älter als Airbnb, steht aber auch vor gewissen Problemen, siehe hier:

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/it/krugman-will-amazon-zerschlagen-und-vergleicht-bezos-mit-rockefeller-a-998371.html

Trump hat sich ja auch stets abfällig gegenüber Amazon geäußert....Zu Verboten und Problemen bei Airbnb sei an wikipedia verwiesen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Airbnb

Fazit: Ein lieblos dahingeschmierter Artikel ohne tiefere Kenntnis von Bankbilanzen und Profitabilität von Banken. Erinnert mich an frühere Mode-Artikel wie "Diese Aktie muss steigen wegen Klimawandel, wegen Demographie, etc.". Suchen sie doch mal bitte die Klimawandelfonds raus - viele bereits geschlossen. Heisst das im Gegenzug, dass es den Klimawandel nicht gibt oder das es viel schwieriger ist, die passenden Aktien zum Klimawandel zu finden....?



Also wenn es solche EXPERTEN! sagen, muss es gut sein

FundstückeGeschrieben von GesundeSkepsis Fr, September 08, 2017 00:20:17
Meine Lieblingsbuchverkäufer labern wieder Amok und bringen unbedarfte Bürger um ihr Geld. Siehe hier.

Wer solche apokalyptischen und alternativlosen Aussagen macht, muss aber bitteschön Ahnung haben. Zitat: "Die Frage ist nicht, ob Sie als Anleger verlieren. Die Frage ist nur wann – und wie viel." - Puh, starker Tobak. Aber haben die Jungs Ahnung? Ich meine, nur bedingt. Beweis:

1) "Zum einen das Risiko, dass eine Immobilie häufig über Kredite finanziert ist." Also wer eine Immobilie aus der Portokasse zahlt, hat keine Geld- oder Anlageprobleme. Weiterhin werden Immobilien seit hunderten von Jahren auf Kredit gekauft und gebaut - also müssten dann ja z.B. die Bausparkassen ständig neue Finanzkrisen auslösen, weil die ja qua Status nur mit Kredit und Immobilien zu tun haben. Der Verweis auf USA und Spanien ist für deutsche Immobilieneigner unzulässig, weil es in USA und im geringeren Umfang in Spanien das beliebte "equity withdrawal" gab - Hauspreissteigerungen haben zur Erhöhung des Sicherheitenwertes geführt, der wiederum via erneuter Kreditaufnahme ausbezahlt und versoffen wurde. Gehen Sie mal zu einem deutschen Baufi-Sparkassenmenschen und sagen, dass Sie gerne die Hauspreissteigerungen der letzten 5 Jahre zu 1% Zins zur freien Verfügung ausbezahlt bekommen wollen.....

2) "Das andere Standbein der klassischen Vermögensaufteilung [..] Bundesschätzchen". Hä? Bundesschatzbriefe? Wo leben die denn? Die wurden im Dezember 2012 abgeschafft ?!??!?!? Siehe hier. Wer so ein Auslaufmodell erwähnt, kann nicht im aktuellen Markt für Privatanleger unterwegs sein, sorry.

3) "Folgende Sachwerte haben sich seit Generationen bewährt [..] Anlagediamanten". Jetzt kenne ich mich zu wenig aus mit Frauenschmuck, aber erstens zahlt man auf den Kram 19% Mehrwertsteuer bei Erwerb, d.h. ich muss eine massive Wertsteigerung erwarten und zweitens sagen selbst die Seiten von Diamantenhändlern, dass das Zeug ggf. nicht liquide ist. (hier). Kurzer Vergleich zu den von den Authoren bemängelten Immobilien: Notar+Grunderwerbssteuer = ca. 10% vom Kaufpreis, da habe ich ja noch ordentlich Puffer im Vergleich zu Diamanten.

Fazit: Banane. Im Artikel stehen ja auch banale und richtige Dinge ("Diversifikation"), aber etwas mehr Ahnung von Geldanlage wäre angebracht. Und wenn die Jungs so dermaßen Probleme mit ihrem Papiergeld haben - ich hätte da ne Kontonummer im Angebot....Danke!

Die Magie der großen ZAHLEN!

FundstückeGeschrieben von GesundeSkepsis Di, August 08, 2017 23:58:52
Passend zu meinem Beitrag "Habemus Indikator" geht die überschwängliche Freude über den US-Arbeitsmarkt beim DAX ungebremst weiter. Ich will hier nicht meine Positionierung schön reden oder schreiben - nur darauf verweisen, dass ich mit solchermaßen identifizierten Übertreibungen mein Geld mache und dass demzufolge Finanzmärkte weder perfekt noch völlig rational sind. Doch im Detail:

https://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/us-arbeitsmarkt-6-1-millionen-gesuche-so-viele-offene-stellen-am-amerikanischen-arbeitsmarkt-wie-nie-zuvor_H1934201255_455716/?SOURCE=7000008

Der JOLT Report (Job openings and labor turnover) in den USA zeigt an, dass es so viele offene Stellen wie noch nie in den USA gibt.


Quelle: Investing.com

Der Trend der letzten Monate ist auf jeden Fall positiv. Der Vormonat Mai mit "nur"
5,7 Mio. offenen Stellen scheint mir aus dieser Grafik heraus ein Ausrutscher/Messfehler zu sein. Wichtiger als die absolute Zahl von 6,163 Mio. scheint mir jedoch das Übertreffen der Erwartung zu sein.


Quelle: Investing.com

Und siehe da: Der April mit 6,04 Mio. offenen Stellen war mit 394.000 Stellen über den Erwartungen sogar leicht besser als der Juni - 388.000 Stellen über Prognose. Und die Reaktion am 6.6.2017 auf die Zahlen? Nicht messbar im DAX:
Quelle: onvista.de

Keine Spur von einem Anstieg von über 110 Punkten binnen weniger Minuten - eher 80 Punkte runter von Eröffnung bis Börsenschluss. Außerdem scheinen die Prognosen für die offenen Stellen systematisch zu niedrig zu sein - oder der Lerneffekt der Analysten ist zu gering. Egal welche Begründung einschlägig ist - weiterhin gute Aussichten, mit einer gesunden Skepsis an den Märkten Geld zu verdienen.



Habemus Indikator!

FundstückeGeschrieben von GesundeSkepsis Di, August 08, 2017 00:16:24
Ja, zugegeben, man soll und muss sich mehr Informationen besorgen als nur die Quartalsberichte der Unternehmen. Ein beliebter Indikator für die Beurteilung der makro-ökonomischen Lage ist der US-Arbeitsmarktbericht. Am 4.8.2017 wurde dann aber meines Erachtens etwas stark von den Märkten übertrieben. Hier zunächst die Meldung:

https://www.godmode-trader.de/analyse/us-arbeitsmarktbericht-eurusd-und-dax-im-fokus,5448623


Ich halte mal fest: Revision der Vormonate um jeweils 2000 Stellen sind Messfehler und dürfen den Markt nicht bewegen - einfach mal als unbewiesene Behauptung, die aber angesichts der Größe des US-Arbeitsmarktes wohl ausreichend plausibel ist - aktuell ca. 325 Mio Einwohner.

Warum die euphorische Marktreaktion, gerade in Europa? Ganz ehrlich? Keine Ahnung, und sie ist auch nicht gerechtfertigt nach meiner Berechnung. Begründung:

29.000 Stellen mehr als erwartet x Median-Gehalt (männlich, weil weiblich wäre viel tiefer) von 41.615 USD (Quelle: Bureau of Consensus für 2015) = 1,2 Mrd. USD mehr an Löhnen im Monat Juli in den USA. Reaktion im DAX: Über 1% im Plus. DAX hat per Schluss heute eine Kapitalisierung von ca. 1.150 Mrd. Euro. Also ohne Spielchen beim Wechselkurs - allein der DAX hat nach der Veröffentlichung rund 11,5 Mrd. Euro zugelegt, weil rund 1 Mrd. Euro mehr Löhne in den USA gezahlt wurden als erwartet - Käse. Rechnet der Markt also damit, dass nun für die nächsten 12 Monate das volle zusätzliche weil unerwartete Gehalt 1:1 nach good ol' Germany fließt? Und die Börsen in Frankreich und Italien und und und sind dummerweise auch gestiegen? Und der Wechselkurs steigt dann ja nicht mehr so stark, wenn der Arbeitsmarkt so dolle läuft, weil die Yellen ja dann doch stärker die Zinsen anhebt......Ääähhh...da war was...Wechselkursprognosen....Konsens im Januar war ganz klar stärkerer US-Dollar wegen Trump. Und weil wir ja alle SMARTphones haben und die großen schlauen Hedgefonds ja schon künstliche Intelligenz einsetzen (was eine Aussage über die vorhandene biologische Intelligenz im jeweiligen Unternehmen ist) haben ja dieses Mal alle aus den vorherigen falschen Prognosen gelernt und....Ich gebe es auf.

Das Pferd anders herum aufgezäumt: US BIP 2016 waren 18.570 Mrd. USD - laut Google. Also entspricht der unerwartete Lohnzuwachs im Juli ganzen 0,0065% des US BIP. Wenn also die nächsten 12 Monate der Arbeitsmarkt immer unerwartet um rund 30.000 Stellen wächst, hätten wir einen unerwarteten Zuwachs (Ja, Lohnsummenzuwachs ist nicht gleich BIP-Zuwachs, aber trotzdem...!) von 0,078%. Ich geb's auf......also mit den Prognosen und so...aber nicht mit meinem Parkplatz für freie Mittel. Mit dem nutze ich solche Übertreibungen immer wieder gerne aus zu Gunsten meiner Investoren. In diesem Sinne...



Ja, H-W ist wieder mal von Sinnen....

FundstückeGeschrieben von GesundeSkepsis So, Juli 30, 2017 23:56:35
Der Mann,der den angestaubten Bart von Abraham Lincoln aufträgt, verbreit wieder mal Unruhe im Ruhestand und die sach- und fachunkundige Presse ventiliert es schön weiter:

http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/land-kommt-mit-dem-euro-nicht-zurecht-hans-werner-sinn-die-wahrscheinlichkeit-faellt-dass-italien-im-euro-bleibt_id_7406792.html

Zitat: "Das Land kommt mit dem Euro nicht zurecht". Aha. Italien ist also quasi auf dem Sprung aus der Eurozone. Ich frage mich bloss - hat das etwas mit dem Euro zu tun? Oder wie ist denn überhaupt der Umgang in Italien mit Geld? Kurzer Blick auf das Währungspaar Lira-DMark (man beachte das Gold-basierte Bretton Woods System bis 1973....)

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Italienische_Lira

Wir halten fest: Mit harter Währung kommt Italien scheinbar in einem System freier Wechselkurse nicht zurecht, die Inflationsraten waren zweistellig. Will die italienische Bevölkerung wirklich dahin zurück? Das findet man im Zweifel nur in einer Volksabstimmung heraus.

Zweiter Punkt zu Prof.Dr. H-W Sinn: Wie waren denn seine bisherigen Europrognosen? Also ich habe nicht bei ihm studiert oder habe sonstige Antipathien, ich fühle mich lediglich von ihm belästigt beim Blick in die Wirtschaftspresse. Ich greife mal 2 Beispiele und eine Anekdote auf:

1) Finnland ist der nächste Austrittskandidat (Okt 2016)
2) Griechenland muss aus dem Euro raus, der Euro ist so nicht funktionsfähig (Aug 2012)
3) Die TARGET-2 Salden

Zu 1)
https://www.welt.de/wirtschaft/article156918872/Hans-Werner-Sinn-sagt-neuen-Austrittskandidaten-voraus.html

Blöd nur, dass laut einer Umfrage im November 2016 (4 Wochen nach H-W) die Bevölkerung in Finnland im steigenden Maße den Euro-Austritt ablehnt - es sei denn, man hält den Deutschlandfunk für den Kernbestand der sog. Lügenpresse. Oder die Übersetzung vom Deutschen ins Finnische dauert wieder länger.

http://www.deutschlandfunk.de/finnland-und-der-euro-fixit-kein-thema-mehr.795.de.html?dram:article_id=370334

zu 2)
http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/policy/Staff-Comments-in-the-Media/Press-articles-by-staff/Archive/Eigene-Artikel-2012/medienecho_ifostimme-wiwo-20-08-2012.html

"Der Euro ist mit den jetzigen Mitgliedstaaten nicht überlebensfähig. Er muss auf einen Kern funktionsfähiger Länder reduziert werden, während die anderen Staaten wieder eigene Währungen benötigen, um abwerten und wettbewerbsfähiger werden zu können."

Kurzer Blick ausm Fenster: Nein, Griechenland hat noch immer den Euro, seit 2012 sind neue Länder dazu gekommen und bis Jahresende 2017 tritt auch keiner aus. Versprochen. Irgendwie ist diese Währungsunion stabiler, als immer gemeckert wird - einfach als neutrale Beobachtung und normative Kraft des Faktischen.

Zu 3)
"Die Target-Falle – Gefahren für unser Geld und unsere Kinder"
von Hans-Werner Sinn
Erscheinungsdatum: 8. Oktober 2012
Fester Einband, 418 Seiten
Preis: 19.90 € (D) / 27.90 sFR (CH) / 20.50 € (A), ISBN 978-3-446-43353-3
E-Book, ISBN 978-3-446-43391-5
Hanser Verlag

Also meine Kinder sind 2008 und 2011 geboren, aber an Target-2 sind die neben dem ganzen andere Quatsch bisher noch nicht erkrankt. Aber im Gegenzug sind 19,90 € bestimmt die reinen Produktionskosten dieses Aufklärungswerkes und der arme eregierte...ähh...eremitierte Prof. sieht davon keinen Cent...äähh...Pfennig.

"Bitte, Bitte, großer VWL-Gott, nur noch einmal recht haben, dieses eine kleine Land mit Z oder mit G oder irgend eines wird doch will bitte austreten...."

Nachtrag: Aktuelle Euro-Austrittswahrscheinlichkeiten gemäß Sentix Juli 2017
LandExit-Wahrscheinlichkeit
GR 5.3%
IT 4.6%
PT 1.5%
FI 1.3%
DE 0.8%

Quelle: http://www.sentix.de/index.php/sentix-Euro-Break-up-Index-News/


Ein FLUCH liegt über den Märkten! Seid gewarnt!

FundstückeGeschrieben von GesundeSkepsis Di, Juli 04, 2017 17:53:07

Gerne findet man in letzter Zeit Artikel dieser Art:

http://www.capital.de/investment/geldanlage-etf-indexfonds-fluch-oder-segen-8853.html


Die Frage, die hier aufgeworfen wird, ist enorm relevant: Sind ETFs gut oder böse? Ich stehe da klar auf der Seite von Warren Buffet und begrüße ETFs. Sie sind ein sehr sinnvolles Instrument, insbesondere für Privatanleger. Das große ABER: Selten kann der geneigte Privatanleger abschätzen, ob er/sie in das richtige Underlying investiert, welches der ETF widerspiegelt. Muss ich jetzt auf DAX, MDAX oder MSCI World setzen? Oder doch ein Staatsanleihen-ETF? Ich halte nichts von der Theorie, dass ETFs gefährlich sind, weil sie undifferenziert den Markt aufpumpen und wieder Luft ablassen, wenn ihnen das Geld abgezogen wird. Dies ist an dieser Stelle aber nicht bewiesen oder sonstwie fundiert, sondern lediglich ein fundiertes Bauchgefühl. Was jedoch lustig an ETFs ist - siehe Artikel:

"Was man den Indexfonds aber dadurch natürlich vorwerfen kann: Sie differenzieren eben nicht in gute und schlechte Aktien, in über- oder unterbewertete, sondern behandeln alle gleich. Das meinen die Kritiker mit der „Diktatur der Indifferenz“."

Aha. Dumm nur, dass die Diktatur der Indifferenz zu einem besseren Ergebnis für den Privatanleger führt. Weil:

"Das ist im Prinzip nicht schlecht, weil sie damit garantieren, dass Anleger mindestens so gut abschneiden wie der Gesamtmarkt und damit wenigstens eine durchschnittliche Rendite erzielen – während die meisten aktiven Aktienfondsmanager es nachweislich nicht schaffen, für längere Zeit eine Rendite zu erzielen, die auch nur annähernd so gut ist wie der Gesamtmarkt. Meist liegen sie um Längen hinter dem Index. "

So shut the f*ck up! Ist mir doch egal, ob da differenziert wird oder nicht!!!!! Ich mache nachweislich in ETFs mehr Knete als mit pseudo-aktiv gemanagten Aktienfonds (siehe früheren Blogeintrag dazu). Was soll daran schlecht sein? Und wie dumm und/oder kostenintensiv müssen lohn- und bonusabhängige Aktienfondsmanager sein, damit sie in der Masse akademisch bewiesen (Ausnahmen temporär durchaus möglich) ihrem jeweiligen Markt hinterher humpeln??? Wie schlecht ist die Leistung der sog. Profis einzustufen, wenn man diese systematisch mit Indifferenz bezüglich vermeintlich „guten“ und „schlechten“ Aktien in den Schatten stellt?

Und somit bleibt die alte Erkenntnis: "Denken Sie selbst! - sonst tun es andere für Sie!" von Vince Ebert. Wenn Emerging Markets, Dow Jones, Nikkei oder wasauchimmer für SIE der richtige Markt ist - viel Spass mit ihrem ETF. Ich persönlich gehe noch einen Schritt weiter zurück mit meinem Parkplatz für freie Mittel und will einfach Geld verdienen. Absolut. Echter Wertzuwachs für die Investoren. Und das wenn möglich mit sehr geringer Schwankungsbreite. Fertig! Unabhängig von Marktstimmung, dem Sektor oder den Instrumenten. Siehe hier:

https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf000statt

Amüsant ist auch, dass bei der F(l)achzeitschrift Capital wieder die eine Hand nicht weiß, was die andere vor drei Wochen geschrieben hat:

http://www.capital.de/dasmagazin/capital-themenvorschau-07-2017-titelthema-etf-entspannt-zum-wohlstand-9052.html

Mit ETFs zum Wohlstand

22. Jun 2017, Capital-Redaktion

ETFs haben die Geldanlage revolutioniert. Noch nie war es so einfach, Vermögen aufzubauen.













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